Und dann hat Roger Manderscheid in seinem Geburtsort Itzig nun auch seinen Platz abbekommen. Angeblich handelt es sich dabei um einen schlichten Parkplatz, der nun aber auch gar nichts mit dem Leben und Werk dieses wohl bedeutendsten luxemburgischen Schriftstellers (und Zeichners) des 20. Jahrhunderts zu tun hat. Zudem ist der Autor auf dem Porträt, das die hoch an einer Fassade befestigte Plakette ziert, leider so gut wie nicht wiederzuerkennen. Schade! „Rosch“ hätte ein ehrenvolleres Andenken verdient gehabt als eine mit Rechtecken bemalte Asphaltfläche. (Das Foto von gh zeigt Manderscheid am 26. Mai 2008 – also fast auf den Tag genau vor fünf Jahren – in Itzig.)
21. Mai 2013
KLATSCH UND TRATSCH AUS DER EINHEIMISCHEN BÜCHERWELT (6): BADENPLAG-FORTSETZUNG
Esch, im herbstlichen Mai. Treue
Leser der wasserschweinischen Postille erinnern sich: Vor rund einem Jahr wurde
in diesen Spalten mehrfach auf die Jeff Baden-Plagiatsaffäre hingewiesen. Nun
liegt das betreffende juristische Gutachten vor. Es führt auf insgesamt acht
Seiten und anhand zahlreicher Beispiele vor, dass es sich bei dem Artikel „Vom
Parnassus bis hinter den Atlantik. Literarisches Schreiben in Luxemburg“,
erschienen in der Nr. 30 des saarländischen Kulturmagazins „Opus“, in der Tat
um ein Plagiat handelt – ein Umstand, der damals, vor einem Jahr und aus nicht
immer offensichtlichen Gründen, von einigen Seiten bezweifelt wurde. In
besagtem „avis juridique“, das an den Verfasser des ursprünglichen Textes
ergangen ist und das der Redaktion der Capybara Gazette integral vorliegt,
heißt es u. a.: „Monsieur Baden ne reprend pas seulement quelques paragraphes
de votre œuvre, mais reprend sa structure et son esprit de manière
systématique. (...) Plusieurs phrases sont rédigées de manière quasi-identique.
(...) La quasi-intégralité de son article suit de manière frappante la
structure de votre œuvre et reprend
votre article en des termes similaires. (...) au vu de ces considérations,
(...) le sieur Baden a (...) violé vos droits d’auteurs.“ Da Badens „Werk“ in
einer saarländischen Publikation veröffentlicht wurde, werden sich demnächst
deutsche Gerichte mit dem Plagiatsfall zu beschäftigen haben.
26. März 2013
KLATSCH UND TRATSCH AUS DER EINHEIMISCHEN BÜCHERWELT (5): HUGO, TSÉ & H2O
Esch, nach dem Schneeregen. Gestatten: Chigüire, Hugo Chigüire. So nannten die Eltern ihren Spross. Nun ja, eine gewisse Sympathie für Chávez selig lassen sich papá und mamá nicht absprechen, aber als ihr hijo geboren wurde, ging vom anderen noch gar keine Rede. Vielleicht hätten sie auch lieber eine Tochter gehabt, aber darüber wurde nie gesprochen. So konnte der kleine Hugo im Land der Bohrtürme, Tafelberge und Wasserschweine prächtig gedeihen und nach und nach seine Liebe zu allem Gedruckten entwickeln. Mit dem Resultat, dass er irgendwann ein Sitzkissen in einer Redaktionsstube durchzuwärmen und mit Kommentaren zu diesen und jenen Absonderlichkeiten in der weiten Wüste der einheimischen Bücherwelt um sich zu schmeißen begann.
Man glaubt gar nicht, wie oft einfache Lohnschreiber davon träumen, als Flugpionier auf einer Lichtung am Rand des Dorfes eines bislang unentdeckten Urwaldstammes zu landen. Und wie sehr sie darauf hoffen, nicht nur dem Stammesältesten, sondern auch seinen hübschesten Töchtern vorgestellt zu werden.
Tsé Katchour! Nein, so heißt nicht der Dschungelgreis und mehrfache Töchtervater, dem Hugo Ch. auf einem seiner Erkundungsflüge begegnete. Tsé Katchour lautet das Pseudonym eines luxemburgischen Diplomaten, der in seiner anscheinend recht großzügig bemessenen Freizeit nicht nur musiziert, sondern auch Erzählungen, Romane, Gedichte und Theaterstücke verfasst. Seine in den Jahren 2009 und 2010 veröffentlichten Werke tragen so besinnliche Titel wie „Staat Sex Amen“, „Europorno“ und „Der Patentonkel im Saufzug“. Auf den Geschmack gekommen? Nun, leider muss interessierten Lesern gebeichtet werden, dass alle diese sicherlich reizvollen Publikationen weder im normalen Buchhandel noch über eines der einschlägigen Online-Versandhäuser erhältlich sind. Nur dies noch: Mit Hilfe der richtigen Suchmaschinen lässt sich das Pseudonym, angeblich eine Anspielung auf ein gewisses Faible für Asiatika des Autors und seine einst aus Russland immigrierte Verwandtschaft mütterlicherseits, relativ problemlos entziffern. Verborgener ist da schon die hiermit nicht länger unter Verschluss gehaltene Information, dass besagter Politologe und Hugo el periodista in früher Jugend dasselbe Dorf bewohnten und jahrelang, wie man hierzulande in etwa sagt, gemeinsam zur Schule kutschiert wurden. Kak sdelat, towarischtsch?
Es ist ebenfalls schon Jahre her. Der Poet aus M. war zu einer Lesung im Wasserwerk von D. eingeladen. Schön und gut. Oder im Nachhinein eher: kein Wein und große Kacke. Zwar hatte ein bisschen Publikum herbeibemüht, und weil es draußen wie drinnen so arschkalt war und alle ihren dicken Mantel anbehielten, sahen die Zuschauerreihen doppelt so gut gefüllt aus, wie sie es tatsächlich waren. Mit der üblichen halben Stunde Verspätung ging’s los. Und mit einem Fauxpas der schlimmsten Sorte. Als nämlich die vom Veranstalter gebuchte Präsentierdame den Gast aus dem fernen M. vorstellen sollte, entfiel ihr bei ihrer pompösen Einleitung mit einem krachenden Wrrrummms dessen Name. Äh, öh, eeh, hhmm ... also ... hier bei uns ... im CO2 ... äh ... H2O ... Herr Ch., sorry, Herr Tsé oder ... mmmhh ... Zeh ... mh ... aus ... äh ... äh ... heute mit seinem neuesten Werk zu dieser ... mmhh ... Vorlesung ... was uns natürlich sehr freut! Den Schreiberling weniger. Man sollte gar nicht meinen, wie viel diese Kerle schlucken können in so einem Pötenläbbe.
Man glaubt gar nicht, wie oft einfache Lohnschreiber davon träumen, als Flugpionier auf einer Lichtung am Rand des Dorfes eines bislang unentdeckten Urwaldstammes zu landen. Und wie sehr sie darauf hoffen, nicht nur dem Stammesältesten, sondern auch seinen hübschesten Töchtern vorgestellt zu werden.
*****
Tsé Katchour! Nein, so heißt nicht der Dschungelgreis und mehrfache Töchtervater, dem Hugo Ch. auf einem seiner Erkundungsflüge begegnete. Tsé Katchour lautet das Pseudonym eines luxemburgischen Diplomaten, der in seiner anscheinend recht großzügig bemessenen Freizeit nicht nur musiziert, sondern auch Erzählungen, Romane, Gedichte und Theaterstücke verfasst. Seine in den Jahren 2009 und 2010 veröffentlichten Werke tragen so besinnliche Titel wie „Staat Sex Amen“, „Europorno“ und „Der Patentonkel im Saufzug“. Auf den Geschmack gekommen? Nun, leider muss interessierten Lesern gebeichtet werden, dass alle diese sicherlich reizvollen Publikationen weder im normalen Buchhandel noch über eines der einschlägigen Online-Versandhäuser erhältlich sind. Nur dies noch: Mit Hilfe der richtigen Suchmaschinen lässt sich das Pseudonym, angeblich eine Anspielung auf ein gewisses Faible für Asiatika des Autors und seine einst aus Russland immigrierte Verwandtschaft mütterlicherseits, relativ problemlos entziffern. Verborgener ist da schon die hiermit nicht länger unter Verschluss gehaltene Information, dass besagter Politologe und Hugo el periodista in früher Jugend dasselbe Dorf bewohnten und jahrelang, wie man hierzulande in etwa sagt, gemeinsam zur Schule kutschiert wurden. Kak sdelat, towarischtsch?
*****
Es ist ebenfalls schon Jahre her. Der Poet aus M. war zu einer Lesung im Wasserwerk von D. eingeladen. Schön und gut. Oder im Nachhinein eher: kein Wein und große Kacke. Zwar hatte ein bisschen Publikum herbeibemüht, und weil es draußen wie drinnen so arschkalt war und alle ihren dicken Mantel anbehielten, sahen die Zuschauerreihen doppelt so gut gefüllt aus, wie sie es tatsächlich waren. Mit der üblichen halben Stunde Verspätung ging’s los. Und mit einem Fauxpas der schlimmsten Sorte. Als nämlich die vom Veranstalter gebuchte Präsentierdame den Gast aus dem fernen M. vorstellen sollte, entfiel ihr bei ihrer pompösen Einleitung mit einem krachenden Wrrrummms dessen Name. Äh, öh, eeh, hhmm ... also ... hier bei uns ... im CO2 ... äh ... H2O ... Herr Ch., sorry, Herr Tsé oder ... mmmhh ... Zeh ... mh ... aus ... äh ... äh ... heute mit seinem neuesten Werk zu dieser ... mmhh ... Vorlesung ... was uns natürlich sehr freut! Den Schreiberling weniger. Man sollte gar nicht meinen, wie viel diese Kerle schlucken können in so einem Pötenläbbe.
23. März 2013
KLATSCH UND TRATSCH AUS DER EINHEIMISCHEN BÜCHERWELT (4): MIT FROTZELN IST LEICHT PROTZELN
Esch, erneut im Schnee. Kollege Chigüire sieht sich gezwungen, sich wiederum in seinem Hoody zu verkriechen, sich mit großflächig ausgebreitetem Zeitungspapier vor der Kälte zu schützen und das Radio einzuschalten, damit das sodann aufblinkende Lämpchen der nächsten Umgebung etwas Wärme spendet.
So kommt es, dass der Feuilletonmann der nach wie vor viel zu selten gelesenen „Capybara Gazette“ soeben auf einen erstaunlichen Artikel über die luxemburgische Präsenz bzw. Nicht-Präsenz auf den diversen Buchmessen dieser Tage gestoßen ist. Gut gebrüllt, cher Gaston C.! Endlich einmal ein Kulturjournalist, der sich die Mühe machte, die diversen Parteien des seit Jahren anhaltenden Geplänkels zu kontaktieren und zu Wort kommen zu lassen, die Zahlen und sonstigen Fakten sauber auszubreiten und Tacheles zu reden. Beendet sind die mal substanziellen, mal lächerlich anmutenden Gefechte zwischen den Verlegern und dem zuständigen Ministerium dadurch zwar noch lange nicht. Aber zumindest ist eine auch noch für den dumpfsten Leser verständliche Zwischenbilanz gezogen. Nicht wenig in einer Situation, in der das Dialogieren auch künftig nicht einfacher zu werden droht.
Aus den Radiolautsprechern freilich, an die Kollege Chigüire vorhin sein eiskaltes Ohr schmiegte, dröhnten weit unsympathischere Töne. Nicht nur, dass die 100,7-Mitarbeiterin Sylvie F. besagte Nicht-Präsenz in einem süffisanten Nebensatz abkanzelte, ohne erhellenden Kommentar, ohne das geringste Bemühen, nach den Ursachen und Gründen für diesen und jenen Tatbestand zu suchen. Nein, es kam noch schlimmer. Schon seit geraumer Zeit ist es in nicht wenigen einheimischen Medien nämlich üblich, Autoren, Verleger und damit indirekt auch die Käufer von den ohnehin viel gescholtenen „Wanderführern“ und „Kochbüchern“ regelrecht zu verunglimpfen. So geschehen auch neulich wieder, im Merscher Haus der Literatur, wo der Verlag Op der Lay sein zwanzigjähriges Jubiläum feierte. Bei dieser, in besagter Radiosendung ausführlich dokumentierten Gelegenheit verstieg sich Gollo S., der Verlagsgründer, zu der gewagten und durch nichts zu beweisenden Behauptung, dass ohne die seit Jahren fließenden Zuschüsse des Fonds culturel national (Focuna) hierzulande schon lange keinerlei schöngeistigen Werke, sondern nur noch künstlerisch angeblich weitgehend wertlose Druckerzeugnisse rund ums Spaziergehen, Essen und Trinken herausgegeben würden. Für sein eigenes Öslinger Haus mag es ja stimmen, dass ohne die regelmäßigen Geldspritzen aus dem Staatssäckel der Bettel längst hingeschmissen worden wäre. Aber wie kommt Gollo S. dazu, diese recht einfältige Haltung auf andere Mitstreiter zu übertragen? Ich kenne etliche Verlage, die noch nie aus der Focuna-Quelle getränkt und beschenkt wurden, die dennoch seit Jahr und Tag Romane, Erzählungen, Kinderbücher, Fotobände etc. veröffentlichen, deren Qualität denen aus Gollos Werkstatt in nichts nachstehen, und die, eben weil sie keine Unterstützung von staatlicher Seite zu erwarten haben, mit publikumsträchtigen Best- und Longsellern ein anspruchsvolles literarisches Programm finanzieren. Was soll daran so schlimm, so verdammenswert sein?
Viel bedenklicher erscheint, dass in Sachen Buch- und Literaturpolitik hierzulande viel zu häufig „à la tête du client“ gehandelt, gefördert oder abgelehnt wird, ohne jegliche Transparenz, ohne Konzept, ohne Begründung und Rechtfertigung. Wann kommt der Tag, an dem der Focuna seine Konten öffentlich macht? Der Moment, an dem publik wird, welcher Verlag, welcher Autor, welcher Übersetzer, welche Vereinigung mit welchen Beträgen und mit welchen Zielen unterstützt wird?
Wie von wie immer bestens unterrichteten Klatschbasen und Tratschtanten – auch die CG, zumal diese Kolumne, kommt nicht ohne Informanten, Zuflüsterer und Agentenhilfe aus – zu erfahren war, wird der bislang gängigen Förderpraxis demnächst der Garaus gemacht werden. Muss dann damit gerechnet werden, dass bei Op der Lay & Co. endgültig die Lichter ausgehen? Oder dass auch die bisherigen Nutznießer der völlig undurchsichtigen Unterstützungsmethoden, wie ihre gewöhnlichen Mitbewerber, fortan auf eigene Mittel angewiesen sein und in Zukunft ebenfalls Reiseführer und Rezeptsammlungen auf den Markt werfen werden. Darauf darf man sich freuen. Dann wird endlich mit vergleichbaren Waffen gefochten, und niemand mehr muss ständig mit versteckten Fouls und sonstigen Nickeligkeiten von der Konkurrenz rechnen.
So kommt es, dass der Feuilletonmann der nach wie vor viel zu selten gelesenen „Capybara Gazette“ soeben auf einen erstaunlichen Artikel über die luxemburgische Präsenz bzw. Nicht-Präsenz auf den diversen Buchmessen dieser Tage gestoßen ist. Gut gebrüllt, cher Gaston C.! Endlich einmal ein Kulturjournalist, der sich die Mühe machte, die diversen Parteien des seit Jahren anhaltenden Geplänkels zu kontaktieren und zu Wort kommen zu lassen, die Zahlen und sonstigen Fakten sauber auszubreiten und Tacheles zu reden. Beendet sind die mal substanziellen, mal lächerlich anmutenden Gefechte zwischen den Verlegern und dem zuständigen Ministerium dadurch zwar noch lange nicht. Aber zumindest ist eine auch noch für den dumpfsten Leser verständliche Zwischenbilanz gezogen. Nicht wenig in einer Situation, in der das Dialogieren auch künftig nicht einfacher zu werden droht.
Aus den Radiolautsprechern freilich, an die Kollege Chigüire vorhin sein eiskaltes Ohr schmiegte, dröhnten weit unsympathischere Töne. Nicht nur, dass die 100,7-Mitarbeiterin Sylvie F. besagte Nicht-Präsenz in einem süffisanten Nebensatz abkanzelte, ohne erhellenden Kommentar, ohne das geringste Bemühen, nach den Ursachen und Gründen für diesen und jenen Tatbestand zu suchen. Nein, es kam noch schlimmer. Schon seit geraumer Zeit ist es in nicht wenigen einheimischen Medien nämlich üblich, Autoren, Verleger und damit indirekt auch die Käufer von den ohnehin viel gescholtenen „Wanderführern“ und „Kochbüchern“ regelrecht zu verunglimpfen. So geschehen auch neulich wieder, im Merscher Haus der Literatur, wo der Verlag Op der Lay sein zwanzigjähriges Jubiläum feierte. Bei dieser, in besagter Radiosendung ausführlich dokumentierten Gelegenheit verstieg sich Gollo S., der Verlagsgründer, zu der gewagten und durch nichts zu beweisenden Behauptung, dass ohne die seit Jahren fließenden Zuschüsse des Fonds culturel national (Focuna) hierzulande schon lange keinerlei schöngeistigen Werke, sondern nur noch künstlerisch angeblich weitgehend wertlose Druckerzeugnisse rund ums Spaziergehen, Essen und Trinken herausgegeben würden. Für sein eigenes Öslinger Haus mag es ja stimmen, dass ohne die regelmäßigen Geldspritzen aus dem Staatssäckel der Bettel längst hingeschmissen worden wäre. Aber wie kommt Gollo S. dazu, diese recht einfältige Haltung auf andere Mitstreiter zu übertragen? Ich kenne etliche Verlage, die noch nie aus der Focuna-Quelle getränkt und beschenkt wurden, die dennoch seit Jahr und Tag Romane, Erzählungen, Kinderbücher, Fotobände etc. veröffentlichen, deren Qualität denen aus Gollos Werkstatt in nichts nachstehen, und die, eben weil sie keine Unterstützung von staatlicher Seite zu erwarten haben, mit publikumsträchtigen Best- und Longsellern ein anspruchsvolles literarisches Programm finanzieren. Was soll daran so schlimm, so verdammenswert sein?
Viel bedenklicher erscheint, dass in Sachen Buch- und Literaturpolitik hierzulande viel zu häufig „à la tête du client“ gehandelt, gefördert oder abgelehnt wird, ohne jegliche Transparenz, ohne Konzept, ohne Begründung und Rechtfertigung. Wann kommt der Tag, an dem der Focuna seine Konten öffentlich macht? Der Moment, an dem publik wird, welcher Verlag, welcher Autor, welcher Übersetzer, welche Vereinigung mit welchen Beträgen und mit welchen Zielen unterstützt wird?
Wie von wie immer bestens unterrichteten Klatschbasen und Tratschtanten – auch die CG, zumal diese Kolumne, kommt nicht ohne Informanten, Zuflüsterer und Agentenhilfe aus – zu erfahren war, wird der bislang gängigen Förderpraxis demnächst der Garaus gemacht werden. Muss dann damit gerechnet werden, dass bei Op der Lay & Co. endgültig die Lichter ausgehen? Oder dass auch die bisherigen Nutznießer der völlig undurchsichtigen Unterstützungsmethoden, wie ihre gewöhnlichen Mitbewerber, fortan auf eigene Mittel angewiesen sein und in Zukunft ebenfalls Reiseführer und Rezeptsammlungen auf den Markt werfen werden. Darauf darf man sich freuen. Dann wird endlich mit vergleichbaren Waffen gefochten, und niemand mehr muss ständig mit versteckten Fouls und sonstigen Nickeligkeiten von der Konkurrenz rechnen.
21. März 2013
KLATSCH UND TRATSCH AUS DER EINHEIMISCHEN BÜCHERWELT (3): GEBT DEM MANN DOCH EIN MEDIKAMENT!
Esch, zum Frühlingsbeginn, aber was muss Kollege Chigüire, unser stets wachsamer Feuilleton-Redakteur, da lesen? Luc Spada, DIE Hoffnung der luxemburgischen Gegenwartsliteratur SCHLECHTHIN, ist von heftigem „Unwohlsein“ befallen. Deswegen trägt sein neuestes Werk im Titel wohl auch das unschöne Wort „Abführung“. Weiß denn niemand dem Mann zu helfen? Heutzutage gibt es doch Tabletten für alles. Früher wurden auch sogenannte „lavements“ durchgeführt, falls das Unwohlsein auf Verstopfung zurückzuführen war und kein anderer „Ausweg“ erfolgversprechend schien. Stattdessen wird der Unglückliche in den kommenden Wochen auch noch auf internationale Lesetournee geschickt! Anstatt, dass er mal ein Weilchen das Bett hütet und unter (weiblicher?) Obacht zu Linderung seiner Übel findet. Ruhig, Luc! Hab Geduld! Kollege Chigüire wird sich in aller Freundschaft um deinen schweren Fall kümmern, der entsprechende Auftrag wurde ihm schon erteilt, gerade rennt er voller Tatendrang zur Tür der von ätzendem Zigarettenrauch vernebelten Redaktionsstube hinaus.
PS: Musste sein Verlag eigentlich schon für die entsprechende Pressemitteilung im heutigen Tageblatt blechen? Und welche Belohnung darf Delia Pifarotti erwarten, die im selben Tageblatt von heute für eine anthropologische Sensation sondergleichen sorgt. Besagte Schreiberin stellt in einem Interview nämlich fest, dass der Gitarrist Joe Bonamassa unlängst „mit keltischen Musikern gespielt“ hat! Dass es Überlebende dieses Stammes überhaupt noch gibt! Und dass sie obendrein nichts Besseres zu tun haben, als zu musizieren!
PS: Musste sein Verlag eigentlich schon für die entsprechende Pressemitteilung im heutigen Tageblatt blechen? Und welche Belohnung darf Delia Pifarotti erwarten, die im selben Tageblatt von heute für eine anthropologische Sensation sondergleichen sorgt. Besagte Schreiberin stellt in einem Interview nämlich fest, dass der Gitarrist Joe Bonamassa unlängst „mit keltischen Musikern gespielt“ hat! Dass es Überlebende dieses Stammes überhaupt noch gibt! Und dass sie obendrein nichts Besseres zu tun haben, als zu musizieren!
20. März 2013
"LËTZEBUERGER LÉIWEN"
haut am spéiden nomëtteg an der librairie diderich zu esch: präsentatioun vum nico helminger sengem neie roman iwwert déi turbulent 70er joeren. op der foto ze bewonneren: den auteur (lénks) a säin editeur (riets) no enger fatzeger diskussioun iwwert d’national buch- a literaturpolitik.
KLATSCH UND TRATSCH AUS DER EINHEIMISCHEN BÜCHERWELT (2): COPY AND PASTE
Esch im Regen. Das originellste Buch auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse war, laut Süddeutsche Zeitung, das, welches am konsequentesten auf Originalität verzichtet. Ein Buch bestehend aus genau 2.857 Zitaten, von Dante bis Joyce, von Shakespeare bis Tolstoi, von Cervantes bis Brecht. „Sieht so der virtuos wie originell gefügte Endpunkt der Literatur aus?“, fragt der Lektoratspoet des Verlags in seiner Ankündigung bang. Um gleich stolz zu behaupten: „O. T. fügt der Diskussion um copy und paste, um Originalität und Autorschaft eine neue Facette hinzu.“
„O. T.“? Ja, so heißt das Werk. „O. T.“ für „Ohne Titel“ – eine in der bildenden Kunst durchaus gebräuchliche Kennzeichnung von Bildern, Skulpturen aller Art. Von der Seite kommt dann auch die Verfasserin, die bildende Künstlerin U. D. Bauer, die tatsächlich existiert/existieren soll.
„O. T.“, ein Buch, das, so der Kritiker aus Bayern, „die Leselust über Stunden, Tage, Jahre hinweg“ trägt, wurde demnach – aller Wahrscheinlichkeit nach – nicht von einem luxemburgischen Autor, Kritiker oder Unidozenten zusammengeklebt. Aber man weiß ja nie ...
„O. T.“? Ja, so heißt das Werk. „O. T.“ für „Ohne Titel“ – eine in der bildenden Kunst durchaus gebräuchliche Kennzeichnung von Bildern, Skulpturen aller Art. Von der Seite kommt dann auch die Verfasserin, die bildende Künstlerin U. D. Bauer, die tatsächlich existiert/existieren soll.
„O. T.“, ein Buch, das, so der Kritiker aus Bayern, „die Leselust über Stunden, Tage, Jahre hinweg“ trägt, wurde demnach – aller Wahrscheinlichkeit nach – nicht von einem luxemburgischen Autor, Kritiker oder Unidozenten zusammengeklebt. Aber man weiß ja nie ...
KLATSCH UND TRATSCH AUS DER EINHEIMISCHEN BÜCHERWELT (1): PLAGIATE, PSEUDONYME, ZITATE
Esch an Belval. Wäre der schöne Titel nicht schon seit Ewigkeiten für Pooh und seinen Lohnschreiber Harry Rowohlt reserviert, so würde Mister Chigüire diese seine neue Kolumne liebend gerne „Meinungen eines Wasserschweins von sehr geringem Verstand“ überschreiben. Aber wer will schon „Jeff Baden“ geschimpft werden? Nun, auch Nico Valentin ist noch immer nicht entlarvt. Sein Verleger aus dem hohen luxemburgischen (oder Luxemburger? CNL, bitte hilf!) Norden verrät lediglich, dass es sich um einen durchaus gestandenen Autor mit publizistischer Vorgeschichte handelt, und hüllt sich ansonsten in gollohaftes Schweigen. Mit dem Resultat, dass mehrere potenzielle Pseudonymisten, auch sie ausgewachsene Mannsbilder, sich gegenseitig der Urheberschaft bezichtigen. Und wenn sich am Ende und als Konsequenz der längst wieder abgeflauten Altherrenwitze-Diskussion eine „Nicole“ hinter dem offensichtlich vielgereisten und antik-affinen Nico verbirgt? Mr. C. jedenfalls teilt den Verdacht nicht, der darauf beruht, dass die anvisierte Dame nur deshalb „Epidauros“ in die titelgebende Kurzgeschichte geschmuggelt hat, weil sie auch im richtigen Leben eine gewisse Zuneigung zu Griechenland hegt.
Deshalb rasch zu einem anderen Maulzerreißer: Luxemburg war dieses Jahr NICHT auf der Leipziger Buchmesse vertreten! Außer ein paar Unverbesserlichen scheint das niemanden zu interessieren. Schon gar nicht unsere ach so hippen Kulturjournalistinnen und -journalisten, die – bis auf eine einzige randnotizhafte Ausnahme – diesen für die hiesige Kulturpolitik mehr als beschämenden Umstand weder zur Kenntnis noch zum Anlass irgendeines Kommentars oder einer anderen publizistischen Aufarbeitung genommen haben. Haben sie’s überhaupt bemerkt? (Und wo steckt eigentlich Daniel Conrad, der sich vor ewigen Zeiten wenigstens ein paar Mal in die Täler und Sümpfe, auf die Um- und Abwege der nationalen Buchlandschaft wagte?) Nicht einmal die Ministerin scheint ihren doch angeblich so geschätzten Leipzig-Trip vermisst zu haben. Stattdessen gab sie sich für ein Foto in einer ziemlich menschenleeren Kneipe mitten in den transsilvanischen Bergen und Wäldern her. Dort, im fernen Rumänien, fand unlängst offenbar – auch dafür gibt es nur wenige handfeste Beweise aus unseren angeblich doch so rührigen Redaktionen – ein Festival mit kulturellen Highlights aus dem fernen Großherzogtum statt, zusammengestellt von einer Firma, die sich gleich mal selbst engagierte, vermutlich aus Gründen der Kostenersparnis.
Noch Fragen? Klar doch. Zum Beispiel die nach der Art von Auftritt, der dieses Jahr auf der Frankfurter Buchmesse geplant ist?
Und ob eigentlich auch Bücher, Autoren und Literatur, wenigstens im weitesten Sinn, in der neuen samstäglichen Kultursendung „Artbox“ auf RTL vorkommen?
Das nasse Schwein jedenfalls freut sich: So bald wird ihm der Klatsch-und-Tratsch-Stoff nicht ausgehen. Doch bevor es weiterquiekt, bemüht es sich erst einmal auf Facebook um die Freundschaft von Winnie-the-Pooh. Zweimal geringer Verstand ist jedenfalls besser als nur einmal geringer Verstand, oder etwa nicht, liebe ... hicks ... Schleck-Brüder.
26. Dezember 2012
BEI DER GERINGSTEN ERSCHÜTTERUNG
Alles vollgestellt. Kaum mehr
ein Durchkommen. Überall diese Kartons. Aufeinandergestapelt wie Wolkenkratzer.
Und aus jedem Karton eine andere Stimme. Ein Stimmenkonzert, allerdings
kakophonisch. In undefinierbaren Sprachen. Ein einziges tönendes Durcheinander.
Nicht einmal Wortfetzen herauszuhören. Ein Flur, mehrere Zimmer, der ganze
Keller voller Pappkisten. In verschiedenen Größen, aber alle das gleiche
Modell, dieselbe Farbe. Die das Atmen erschwert. Das geringste Stolpern, die
kleinste Erschütterung, und sämtliche Türme stürzen ein. Akustischer
Zusammenbruch. Tonscherben, im wahrsten Sinn des Wortes. Kann man nicht mehr
zusammenfegen, lässt sich mit keinem Stoff kitten. In keinem Land, auf keinem
Kontinent. Wem die Stimmen einst gehörten, ist auch nicht mehr festzustellen.
Wo sie herkamen, wer sie aufnahm, wie sie in die Kartons gelangten –
Fehlanzeige, durch die Bank. Aber es gibt immer Geräusche, die jemanden stören.
So leise sie auch sein mögen.
MEHR GÄSTE ALS STÜHLE - KEINE WEIHNACHTSGESCHICHTE
Nicht zum ersten Mal schlug er sich mit diesem Problem herum. Es gab mehr Gäste als Stühle. Zudem waren einige Stühle aus unterschiedlichen Gründen nicht zu gebrauchen. Es kam, wenn auch nicht zu lebensbedrohlichen, so doch zu gesundheitsgefährdenden Situationen. Ein junger Mann mit Bart verlor einen Schneidezahn. Seiner Begleiterin riss die Hosennaht am Hintern. Alle taten, als hätten sie nichts bemerkt. Dabei war das gar nicht möglich. Die junge Frau schrie wie am Spieß. Ihr Freund, - ja, vermutlich war es ihr Freund – versuchte sie zu beruhigen. Dabei klaffte deutlich sichtbar die Lücke in seinem Mund, sogar ein paar Tropfen Blut rannen ihm über Unterlippe und Kinn. Der Gastgeber war um Ruhe bemüht, doch die Stimmung wurde zunehmend aggressiver. Als die junge Frau verstummte, machten andere Anwesende sich bemerkbar. Einmal flog ein Stuhl durch den Raum, dem ein Bein fehlte. Als er gegen das Bücherregal krachte, zerbrach er in drei Teile. Eines der noch vorhandenen Beine traf eine der Serviererinnen an der Schläfe. Erneute Schreie, noch mehr Blut. Pochender Erguss. Stakkatospritzen. Ein blutjunger Mann fasste sich grinsend in den Schritt. Ein älterer Gast, dem schon lange kein Haar mehr nachwuchs, wollte die Verletzte trösten, doch mit einem scharfen Blitz in den Augen stieß sie ihn von sich. Der alte Mann schlug mit dem Rücken gegen den auf Volltouren aufgedrehten Heizkörper. Schon wieder hatte ein Stuhl gefehlt.
25. Dezember 2012
P. O. BOX (17): SCHÖNE LITERARISCHE BESCHERUNG?
Esch am See. Tania Naskandy ist definitiv ein anderer. Aber nun soll ich
Nico Valentin sein! Das behauptet jedenfalls Leserin S. B. (Name und
Mailadresse sind der Redaktion DER CAPYBARA GAZETTE bekannt), die just am
Vorabend von Heiligabend einen elektronischen Brief verschickt hat, in dem sie
den Verfasser vorliegender Neuigkeit des Pseudonym-Gebrauchs bezichtigt. Aber
lesen Sie selbst: “Guten Abend Herr H., wieso nennen Sie sich denn plötzlich
Nico Valentin? Gefällt Ihnen der eigene Name nicht mehr? Leider verwenden Sie
nicht viel Sorgfalt auf Ihre Tarnung. Durch den Namenswechsel werden Ihre Texte
übrigens nicht besser. Das alles wirkt wie ein schaler Con Dao-Aufguss.“
Frechheit!, findet Herr H., ohne zunächst zu wissen, worauf die erboste Dame denn eigentlich anspielt. Aber ein kurzes Guggeln bringt Aufklärung. Besagter „Nico Valentin“ hat unlängst im Eschsauerer Verlag Op der Lay von Robert „Gollo“ Steffen einen Erzählungsband mit dem Titel „Epidauros läit um Mier” veröffentlicht. Nun, Wasserschweine sind bekanntlich keine Meeresbewohner, sondern Sumpfhocker, deshalb dauert es manchmal eine Weile, bis sie solche Publikationen sowohl en gros als auch en détail zur Kenntnis nehmen. Aber spannend wär’s ja schon herauszufinden, wieso die pfiffige Buchleserin – eine aussterbende Rasse, wie wir längst wissen – auf den Pseudonym-Verdacht kam und weshalb sie sich hier wie dort über mangelnde Qualität beschwert. Kann jemand helfen? Weiß jemand mehr? Kann einer handfeste Beweise vorlegen? Zuschriften bitte an die Chefredaktion dieses exklusiven Magazins, das bekanntlich in keinem noch so mies bestückten Zeitungsladen zu finden ist.
By the way: Seit kurzem steht also fest, dass weder Tania Naskandy noch Nico Valentin noch irgendwelche dahergelaufenen Wasserschweine sich und ihre gedruckten Hervorbringungen im Jahr 2013 auf den Buchmessen in Frankfurt und Leipzig präsentieren können müssen wollen werden. Jedenfalls nicht auf einem großherzoglichen Nationalstand, denn dafür fehlen in diesen Zeiten die Kröten. Es sei denn, die buchaffinen Herr- und Tierschaften schaffen es quasi privat, dem Kulturministerium die nötige Kohle aus seinen notorisch mageren Rippen zu leiern, was wohl einem Wunder gleichkäme, denn bekanntlich fließt der ganze Zaster eher in Musik, Film und andere „chouchous“ der zuständigen Ministerialbeamten, die Frankfurt höchstens wegen der Würstchen und Leipzig eher dank der Keksindustrie kennen. So viel dazu! Trotzdem einen tollen Rutsch in ein strahlendes neues Jahr wünscht ... Na, Sie wissen schon: Chigüire & Co.
Frechheit!, findet Herr H., ohne zunächst zu wissen, worauf die erboste Dame denn eigentlich anspielt. Aber ein kurzes Guggeln bringt Aufklärung. Besagter „Nico Valentin“ hat unlängst im Eschsauerer Verlag Op der Lay von Robert „Gollo“ Steffen einen Erzählungsband mit dem Titel „Epidauros läit um Mier” veröffentlicht. Nun, Wasserschweine sind bekanntlich keine Meeresbewohner, sondern Sumpfhocker, deshalb dauert es manchmal eine Weile, bis sie solche Publikationen sowohl en gros als auch en détail zur Kenntnis nehmen. Aber spannend wär’s ja schon herauszufinden, wieso die pfiffige Buchleserin – eine aussterbende Rasse, wie wir längst wissen – auf den Pseudonym-Verdacht kam und weshalb sie sich hier wie dort über mangelnde Qualität beschwert. Kann jemand helfen? Weiß jemand mehr? Kann einer handfeste Beweise vorlegen? Zuschriften bitte an die Chefredaktion dieses exklusiven Magazins, das bekanntlich in keinem noch so mies bestückten Zeitungsladen zu finden ist.
By the way: Seit kurzem steht also fest, dass weder Tania Naskandy noch Nico Valentin noch irgendwelche dahergelaufenen Wasserschweine sich und ihre gedruckten Hervorbringungen im Jahr 2013 auf den Buchmessen in Frankfurt und Leipzig präsentieren können müssen wollen werden. Jedenfalls nicht auf einem großherzoglichen Nationalstand, denn dafür fehlen in diesen Zeiten die Kröten. Es sei denn, die buchaffinen Herr- und Tierschaften schaffen es quasi privat, dem Kulturministerium die nötige Kohle aus seinen notorisch mageren Rippen zu leiern, was wohl einem Wunder gleichkäme, denn bekanntlich fließt der ganze Zaster eher in Musik, Film und andere „chouchous“ der zuständigen Ministerialbeamten, die Frankfurt höchstens wegen der Würstchen und Leipzig eher dank der Keksindustrie kennen. So viel dazu! Trotzdem einen tollen Rutsch in ein strahlendes neues Jahr wünscht ... Na, Sie wissen schon: Chigüire & Co.
26. Oktober 2012
OP DER RULL (19): VON HERZEN FROH
Das Schwein ist – seit einigen Tagen schon – zurück aus Frankfurt, wie
immer ernüchtert, geradezu erschlagen von all dem Trubel dort (und obwohl es in
den schwül-stickigen Hallen mehrmals den Weg seines Lieblingskolumnisten Harald
Martenstein kreuzte – zu ihm später ein bisschen mehr). Wer will nach all
diesen Eindrücken noch jemals ein Buch in die Hand nehmen? Und obendrein der
Stall, den sie den Ausstellern aus Mister Chigüires Wahlheimat hingeklotzt
hatten! Und das Wach- und Betreuungspersonal erst! Da kam so schnell keine
Lektürestimmung auf. Das sollte es vermutlich auch gar nicht. Hauptsache, die
staatlich Bediensteten konnten sich in den Vordergrund schieben, die
Ministerin, so lange bzw. kurz sie da war, angrinsen und mit dem Gefühl nach
Hause fahren, ihren alljährlichen Beitrag zur heimatlichen Buchpolitik
geleistet zu haben.
Längst hängt es dem Capybara zum kurzen, massigen, grob gestachelten Hals
raus: keine Buchpolitik in Sicht, nicht an Sauer und Mosel, und an Amazonas und
Orinoco schon gar nicht. Aber wurde nicht neulich irgendwo in Afrika (war’s
Kenia oder so?) eine neue Affenart entdeckt? Also! Nun stellen wir uns doch mal
kurz vor, wie das wäre, wenn demnächst ab Findel nicht nur Direktflüge nach
Istanbul und Barcelona geschickt würden. Sondern auch nach ... (den Satz bitte
selber vervollständigen).
Nur gut, dass kaum jemand dies lesen wird. Und wenn doch, dass es gleich
darauf schon wieder vergessen sein wird. Auch deshalb bin ich, um mit
Martenstein zu sprechen, „von Herzen froh, dass fast alles, was man so
schreibt, folgenlos bleibt“.
Nur gut, dass kaum jemand dies lesen wird. Und wenn doch, dass es gleich
darauf schon wieder vergessen sein wird. Auch deshalb bin ich, um mit
Martenstein zu sprechen, „von Herzen froh, dass fast alles, was man so
schreibt, folgenlos bleibt“.
P. O. BOX (16): VERAARSCHT DE KULTURMINISTÄR D’LËTZEBUERGER EDITEUREN?
esch um séi. dat nächst kapitel an der onendlecher geschicht vun der
imkompetenz am beräich national buchpolitik ass opgeschloen! hei, wat an deem
kapitel z’entdecken ass. an zwar huet am kontext vun der frankfurter buchmesse
2012 eng madame zenia malmer aus dem kulturministär de 25. juli 2012 an engem
mail un déi bedeelegt editeuren ë. a. geschriwwen: „Le groupe de travail
recommande à tous les éditeurs d’être présents au stand pendant toute la durée
de la foire. Il va de soi que les frais résultant du séjour à Francfort seront à la
portée de chaque maison d’édition.“
op den dag dräi méint méi spéit, de 25. oktober 2012, koum neess aus dem kulturministär, an zwar vun enger madame denise besch, e mail, an deem et ëm d’participatioun vu lëtzebuerger éditeuren um salon du livre zu paräis (22.-25.3.2013) geet an an deem et heescht:
„Dans le cadre de sa politique de promotion du livre luxembourgeois à l’étranger, le Ministère de la Culture aidera les éditeurs professionnels établis au Luxembourg qui publient des livres en langue française, désireux d’assurer une présence à ce salon, en leur remboursant, sur facture documentée, les frais de stand (incluant les frais obligatoires) et les frais de séjour aux conditions énoncées dans le document attaché. Veuillez envoyer votre candidature à l'aide du formulaire attaché jusqu’au 31 octobre 2012 au plus tard à la chargée de mission culturelle du Ministère de la Culture à Paris, Madame Valérie Quilez valerie.quilez@culture.lu, qui se tient aussi à votre disposition pour répondre à vos questions.“
wat huet dat ze bedeiten? datt de kulturministär an engem zäitraum vun dräi méint seng buchpolitik komplett iwwerduecht, iwwerschafft an iwwert de koup gehäit huet? datt et dem ministär méi wäert ass, wann d’lëtzebuerger editeuren op paräis ginn an dofir alles bezuelt kréien, iwwerdeems se zu frankfurt d’onkäschten all selwer droe mussen? oder datt et der lénkser hand an deem ministär komplett egal ass, wat déi riets mécht? datt do ëmmer nach – oder schonn erëm – persounen d’soen hunn, déi sech komplett foutéieren oder ganz einfach keng blass ahnung vu guer näischt hunn? awer dat kenne mär jo schonn, zanter joeren, an et hänkt engem esou lues därmoossen zu den oueren eraus ...

frankfurt messegelände, 13. oktober 2012
© georges hausemer
op den dag dräi méint méi spéit, de 25. oktober 2012, koum neess aus dem kulturministär, an zwar vun enger madame denise besch, e mail, an deem et ëm d’participatioun vu lëtzebuerger éditeuren um salon du livre zu paräis (22.-25.3.2013) geet an an deem et heescht:
„Dans le cadre de sa politique de promotion du livre luxembourgeois à l’étranger, le Ministère de la Culture aidera les éditeurs professionnels établis au Luxembourg qui publient des livres en langue française, désireux d’assurer une présence à ce salon, en leur remboursant, sur facture documentée, les frais de stand (incluant les frais obligatoires) et les frais de séjour aux conditions énoncées dans le document attaché. Veuillez envoyer votre candidature à l'aide du formulaire attaché jusqu’au 31 octobre 2012 au plus tard à la chargée de mission culturelle du Ministère de la Culture à Paris, Madame Valérie Quilez valerie.quilez@culture.lu, qui se tient aussi à votre disposition pour répondre à vos questions.“
wat huet dat ze bedeiten? datt de kulturministär an engem zäitraum vun dräi méint seng buchpolitik komplett iwwerduecht, iwwerschafft an iwwert de koup gehäit huet? datt et dem ministär méi wäert ass, wann d’lëtzebuerger editeuren op paräis ginn an dofir alles bezuelt kréien, iwwerdeems se zu frankfurt d’onkäschten all selwer droe mussen? oder datt et der lénkser hand an deem ministär komplett egal ass, wat déi riets mécht? datt do ëmmer nach – oder schonn erëm – persounen d’soen hunn, déi sech komplett foutéieren oder ganz einfach keng blass ahnung vu guer näischt hunn? awer dat kenne mär jo schonn, zanter joeren, an et hänkt engem esou lues därmoossen zu den oueren eraus ...
frankfurt messegelände, 13. oktober 2012
© georges hausemer
13. September 2012
P. O. BOX (15): EIN WASSERSCHWEIN GEHT SEINEN WEG
Esch-am-See. Keine Frage! Für ein dickliches Nagetier
ohne akademische Würden, das am liebsten den ganzen Tag mit dem Allerwertesten
im Schlamm hockt und mit seinen schmalen Schweinsäuglein die Sonne anblinzelt,
hat unser Freund, das Wasserschwein, es schon ziemlich weit gebracht.
Neuerdings, und das seit nicht weniger als zwei Monaten, hat der struppige Kerl
sich nicht nur auf Platz 1 der nationalen Bestsellerliste – für die
Analphabeten, Abiturlosen und sonstigen Durchschnittsesser unter uns: das ist
die monatlich zusammengestellte Hitparade der Buchtitel, die sich in den
jeweils vergangenen vier Wochen hierzuländchen am besten verkauft haben (oder
am fleißigsten geklaut wurden) – breit gemacht, nein, noch neuerdingser, um
nicht zu sagen: am neuerdingsten hat der stachelige Geselle es sogar zu
universitären Ehren gebracht. Jedenfalls werden Herr Chigüire und sein Leib- und
Magenblatt, die hier vor Ihren Augen, liebe Leserin, ausgebreitete Capybara
Gazette, derzeit lang und breit in einer im Saarbrücker Universitätsverlag
veröffentlichten Aufsatzsammlung gewürdigt. ¡Enhorabuena, Señor! Aber
aufgepasst und nicht zu früh gefreut! Zwar glänzt der Verfasser besagten
Artikels mit etlichen exquisiten Ansichten und nicht weniger hochmögenden
Formulierungen, doch in einer Hinsicht irrt der kluge Schreiberling gewaltig.
Und zwar in jenem klitzekleinen und deshalb leider allzu leicht zu überlesenden
Absatz, in dem er Ihren, liebe Leserin, Nothelfer und Trostspender, der Ihnen,
liebe Leserin, so oft mit promptem Rat und allerzärtlichsten Streicheleinheiten
zur Seite springt, wann immer Sie, liebe Leserin, diese Dienste erwünschen, ...
also ..., wo war ich stehen geblieben? Ach ja, besagter Skribent wird in
besagter Publikation von besagtem Spezialisten doch tatsächlich als ... halten
Sie sich jetzt ganz fest fest, liebe Leserin! ... als Unterhaltungsschwein
hingestellt. Nicht zu fassen, nicht wahr! Eine Frechheit, oder finden Sie
nicht? Denn in Wirklichkeit und Wahrheit hält sich Ihr Diener, liebste Leserin,
seit Jahren – und das mit allem Fug und Recht – für nicht weniger als eine ...
ausgewachsene ..., wie soll man sagen? ... eine vollentwickelte ... RAMPENSAU!
Von wegen Unterhaltungsschwein! Verstehen Sie nun Mister Capybaras Wut? Seine
Enttäuschung auch. Oder soll er sich nicht eher dick und fett was darauf
einbilden und vor Freude einmal kräftig pupsen, wenn er als Großferkel des literarischen
Entertainments hingestellt wird, als Obereber des bibliophilen U-Betriebs? Denn
was kann es, ehrlich gesagt, Schöneres geben, als Sie, liebe Leserin, mit
Geschreibsel wie diesem nach Strich, Punkt und Komma zu erfreuen und zu
erheitern, zu belustigen und zu belehren, zuweilen zu belästigen und Ihr Herz
zu beschweren?Denn wie sagte schon
Christian Kracht, als er neulich im Großherzogtum weilte – und der
schwerenötrige Provokateur muss es schließlich wissen: „Eigentlich geht es mir nur
darum, mein Publikum zu unterhalten.“ Des blechernen Capybara-Ordens am Band
für erfolgreichen Forscherbeschiss darf sich das intelligente Bürschchen aus
der Schweiz jedenfalls gewiss sein. Und vielleicht trifft man sich ja mal unter
südamerikanischer Sonne, in der eigentlichen Heimat von unsereins, mit dem
Hintern im stinkenden Sumpf dösend und hochnäsig den großen Feuergott
anhimmelnd.
2. Mai 2012
P. O. BOX (14): DE LËTZEBUERGER ZU GUTTENBERG HEESCHT: JEFF BADEN!
esch-um-séi. däerfe
professere knäipen? eh bien, si maachen et einfach, ouni sech ze genéieren. den
neitste fall vu „guttenbergen“ zu lëtzebuerg (an net säin éischten!) dréit den
numm: jeff baden, senges zeechens ë. a. „vacataire“ op der uni lëtzebuerg,
einseignant am „institut national des langues“ a kulturkorrespondent am
„luxemburger wort“.
an der nr. 30 vun
OPUS, dem kulturmagazin fir d’saarland, rheinland-pfalz, louthréngen a
lëtzebuerg huet dëse fäinen här en artikel iwwert „literarisches schreiben in
luxemburg“ publizéiert, a sengem eegenen numm natierlech. leider si fënnef
véierel vun deem artikel – vum opbau, vun den iddiën an och vun de formuléierungen
hir, a ville fäll wuertwiertlech – aus der broschür „Apropos ... Literatur in
Luxemburg“ iwwerholl (fir et ze soen: geklaut!), déi ech 2004 am optrag vum SIP
zesummegestallt hunn. zwar mecht de jeff baden a sengem text en hiwäis op den
entspriechenden download am internet, vergësst awer z’ernimmen, datt hie säin
artikel do gréisstendeels a carrément ofgeschriwwen huet, ouni déi
entspriechend zitater ze kennzeechnen. dat wär och e bësse vill ginn, well de
baden-text ass op 4 vu 5 säiten entweder eng pur kopie oder eng jüst schlecht
kamufléiert paraphrase vun senger ëffentlech zougänglecher virlag.
wat huet den här
tarrach dozou ze soen? de cnl? d’kulturredaktioun vum LW, d’kulturministesch,
d’edukatiounsministesch? an de verlag, an deem OPUS erauskënnt? zu saarbrécken
wëssen se wahrscheinlech näischt vum lëtzebuerger „zu guttenberg“! ech hu si
mat engem mail drop opmierksam gemaach a sinn elo gespaant, ob a wéi se – grad
emol eng woch nom internationalen dag vum buch a vun den DROITS D’AUTEUR – reagéieren? am anere fall ...
25. Januar 2012
OP DER RULL (18): IN VENEZUELA WIRD UNSEREINS GEFRES…, PARDON: GEGESSEN!
In Caracas, der Hauptstadt Venezuelas, hat jetzt ein Koch gewisse Berühmtheit erlangt, der auf der Speisekarte seines Restaurants Steaks, Keulen und Ragouts vom Wasserschwein, dort meistens „chigüire“ genannt, anbietet. Nelson Méndez, so der Name des unverfrorenen Chefs, soll in seinem Lokal, dem „Biarritz Bistro“, neben dem seiner Ansicht nach „schönen roten Capybara-Fleisch“ auch noch karamellisierte Ameisen, Würmer und sonstiges Amazonas-Getier zubereiten, das in Tausenden von Varianten im und am Orinoko-Fluss sowie am Río Negro lebt. In Zukunft will Méndez diese und ähnliche Geschöpfe weltweit als kulinarische Spezialitäten auf den Nahrungsmittelmarkt werfen – hochtrabende Pläne, von denen sich der skrupellose Selfmademan nicht nur Renommee, sondern auch jede Menge Profit erwartet. Auf sein frevelhaftes Tun rund um die besonders bei Touristen beliebten Wasserschwein-Populationen in seinem Heimatland („Ach, wie süß!“) angesprochen, wehrte sich der eigenwillige Koch mit dem Argument, dass er schließlich auch frittierte Piranhas im Angebot habe, worüber sich nie jemand aufrege, im Gegenteil. Seine bissfreudigen, in Mehl gewendeten und knusprig gebratenen Fische würden den Gästen, trotz ihres etwas papierenen Geschmacks, im Allgemeinen hervorragend munden. Bislang habe sich noch niemand in dieser Hinsicht beschwert. Er, Nelson Méndez, Jahrgang 1963, in einem Dschungeldorf bei jesuitischen Missionaren aufgewachsen und in seiner Jugend als „Würmerfresser“ beschimpft, könne also nur schwerlich verstehen, was die ganze Aufregung um die Wasserschweine soll, zumal auch diese vorwiegend in feuchten bis nassen Gegenden der Welt leben und beinahe auch schon zur Gattung der Fische, zumindest zu der der Schuppentiere gezählt werden könnten. Ob diese Behauptungen wohl alle stimmen? Ob sich jemand für den seltsamen Koch aus Caracas die Hand abhacken lassen oder sie zumindest für ihn ins Feuer legen würde?
31. Dezember 2011
P. O. BOX (13): WER WAR JEAN-PIERRE AREND? WER IST DANNY SATAN KAI?
Esch-au-Lac. Dieser Tage erschien plötzlich das Buch „Clarissas Krambude“. Zum Glück trägt es ebenfalls einen Untertitel. Der verrät, dass darin Autoren von ihren Pseudonymen erzählen. Dass dieses Erzählen Klarheit schafft, ist indes nicht immer gewährleistet. Zumindest nicht im Fall eines angeblich luxemburgischen Philosophen namens Jean-Pierre Arend, der angeblich Strukturalist war und angeblich in den 1960er Jahren verstarb. Zudem wird der Mann als „wirklich ein Opfer des ignoranten Literaturbetriebs“ dargestellt, dessen Werk verramscht wurde, noch bevor die erste, einzige und obendrein hymnische Rezension dazu in der FAZ erschien. Ein Klick bei amazon ergibt, dass von einem Autor namens Jean-Pierre Arend tatsächlich (oder nur fiktiv?) zwei Bücher existieren, eines sogar mit Cover, das andere mit unbekanntem Einband. Ihre ziemlich rätselhaften Titel: „Die Geschichte der Erkenntnis“ und „Die Determination der gleichzeitig gleichzahlig seienden und werdenden Sachverhalte des Alls“. Beide Werke sollen 1948 erschienen, aber derzeit leider nicht mehr lieferbar sein. Und was hat ein gewisser Manfred Esser mit dieser mysteriösen Geschichte zu tun? Manfred Esser (1938-1995) bezichtigt sich in „Clarissas Krambude“, unter dem Aliasnamen Jean-Pierre Arend veröffentlicht zu haben und gleichzeitig der erstgeborene Sohn einer Anna Arend geborene Esser zu sein. Ferner behauptet Esser/Arend, unter dem Pseudonym Mac van Geldern einen pornographischen Roman mit dem Titel „Rotschwanz“ publiziert zu haben, von dem in der einschlägigen Literatur allerdings keinerlei Spuren ausfindig zu machen sind. Und was bedeutet der Hinweis „Am 19. Juno 1996 Luxemburg, 16 rue du Laboratoire“, der im Nachwort eines der Arend-Bücher zu finden sein soll und zu dem Manfred Esser – oder Arend selbst, vielleicht sogar van Geldern? – überdies anmerkt: „Die Jahreszahl ist natürlich ein Anagramm auf 69. Über die Bedeutung der 69 in der Sexualfantasie der Surrealisten (und deren Umkehrung in der 96) will ich nicht spekulieren“? Hat hier mal wieder Tania Naskandy ihre schmutzigen Finger im Spiel? Deren Doppelgängerin Danny Satan Kai? Oder Luc Sophie Spada? Unsere Literaturministerin höchstpersönlich, eine(r) ihrer Mitarbeiter(innen)?
CNL, bitte übernehmen Sie!
© Georges Hausemer
5. Dezember 2011
P. O. BOX (12): DON CAO AUF CON DACA
Esch-au-Lac. Wir Wasserschweine ziehen der stundenlangen Grübelei bekanntlich eher das ausgiebige Faulenzen bei ausgeschalteter Hirntätigkeit vor. Doch heute wollen wir uns für einmal aufraffen, um einem Kollegen den Rücken zu stärken, der sich als regelmäßiger Kolumnist der „Capybara Gazette“ seine, nein, eben nicht seine Brötchen verdient, sondern sich seit Wochen, nein, was sagen wir, seit Monaten, wenn nicht seit Jahren unentgeltlich und unbezahlt die Fingerkuppen blutig tippt, ohne zu wissen, wozu das alles eigentlich gut sein soll. Da dieser Glossist gelegentlich auch Texte verfasst, die nicht auf ein Butterbrotpapier passen, ist unlängst ein Büchlein von ihm erschienen mit dem etwas seltsamen, aber nach Wasserschweinmeinung durchaus hübschen Titel „Con Dao“.
Hätte er das lieber mal gelassen! Also das mit dem exotischen, für weltmännische Wasserschweine, wie wir gern welche wären, gar nicht so haarsträubenden Titel, der in letzter Zeit Anlass zu manch heikler Verwirrung gegeben hat.
Da war zunächst einmal das im Süden des Ländchens erscheinende Konkurrenzblatt der CG – nennen wir es der Einfachheit halber einfach mal T. –, das besagte Sammlung mehr oder weniger fiktiver Geschichten mir nichts dir nichts in eine Hommage an einen hierzulande nicht ganz unbekannten Dirigenten, Musiker und Musikpädagogen verwandelte und diesen nicht mit uns persönlich bekannten Herrn obendrein mit einem spanischen Respektstitel ehrte. Nein, liebe Mitschweine, CON DAO heißt nicht DON CAO und hat mit dem wahren Träger dieses Nachnamens auch nicht die Bohne am Rüssel.
Zu dieser peinlichen Verwechslung gesellte sich kürzlich eine weitere heitere Variante besagten Buchtitels. Obwohl ..., allein von der Akustik der Wortneu- und -umbildung her kann von Heiterkeit eigentlich gar keine Rede sein. Diesmal ist es eine Zeitschrift aus ebenfalls dem Süden des Ländchens – nennen wir sie der Einfachheit halber einfach mal G. –, die CON DAO kurzerhand in CON DACA umgetauft hat. Hören Sie die klangliche Verwandtschaft? Wenn nicht, ist’s auch egal. Dann ziehen wir Wasserschweine uns eben wieder in unseren Suhlpfuhl zurück, strecken die Nase in den Wind und lauern darauf, dass endlich wieder ein Sonnenstrahl unseren Alltag erhellt. Zumindest kann jetzt niemand mehr behaupten, wir hätten nicht wenigstens versucht, unserem verehrten Kollegen in einer schwierigen Phase seines Schreiberlingdaseins zu Hilfe zu eilen. Auch wenn’s am Ende nix geholfen hat, gar nix, nada de nada, niente di niente. Krawutschu? (Letzteres, bitte merken Sie sich das, ist ein Wort aus der nach wie vor viel zu wenig bekannten Sprache der Wasserschweine, die gleichzeitig so wenig verbreitet ist, dass sie nicht einmal einen richtigen Namen hat. Vorschläge werden jederzeit angenommen, am liebsten in Begleitung von Delikatessen aus dem Fischrayon ...)© Georges Hausemer
Abonnieren
Posts (Atom)

